drachen

Der chinesische Drache ist ein Symbol für Glück und Weisheit. Eine der schönsten Beschreibungen dieser Drache steht in der Unendlichen Geschichte von Michael Ende:

Glücksdrachen dagegen sind Geschöpfe der Luft und Wärme, Geschöpfe unbändiger Freude, und trotz ihrer gewaltigen Körpergröße so leicht wie eine Sommerwolke. Darum brauchen sie keine Flügel zum Fliegen. Sie schwimmen in den Lüften des Himmels wie Fische im Wasser. Von der Erde aus gesehen gleichen sie langsamen Blitzen. Das wunderbarste an ihnen ist ihr Gesang. Ihre Stimme klingt wie das goldene Dröhnen einer großen Glocke, und wenn sie leise sprechen, so ist es, als ob man diesen Glockenklang von fern hört. Wer je solchen Gesang vernehmen durfte, vergißt es sein Lebtag nicht mehr und erzählt noch seinen Enkelkindern davon.

Drachologie, elemtarer Teil

Die chinesische Drachenkunde ist sehr detailliert. In unserer heutigen Zeit zeigen sich Drachen nur noch ganz selten. Das mag an der mangelnden Akzeptanz der nichtalltäglichen Wirklichkeit in der westlichen Kultur liegen. Drachen sind ein Teil dieser anderen Wirklichkeit, und so werden sie oft nur noch von Kindern oder Menschen, die sich dieser anderen Wirklichkeit öffnen oder selbstverständlich mit und in ihr leben, gesehen.

1987 wurde ein archäologischer Fund gemacht, der die bisherigen Entstehungstheorien über das Aussehen chinesischer Drachen grundlegend umkrempelte. In der Provinz Henan wurde in Leizi ein mehr als 6000 Jahre altes Grab entdeckt, in dem eine 1,78 Meter lange mosaikartige Drachenskulptur aus Süßwassermuscheln gefunden wurde. Die Zähne und Krallen wurden mit weißen und braunen Muschelschalen nachempfunden, die Augen mit schwarzen und die Zunge mit dunkelroten. Die Schuppen des Körpers wurden aus gebogenen Schalen geformt. Heute kann diese Drachenskulptur im Drachenkönigstempel, am Nordufer des Gelben Flusses, besichtigt werden. Interessant an dieser Drachenskulptur ist, das sie eben der heute bekannten Form gleicht.

Im Gegensatz zur generellen Verteufelung des Drachens im Christentum werden die chinesischen Drachen bei uns gerne mit Glück und Friedfertigkeit assoziiert. Der Drache zählt in China zu den vier wohltuenden und glücksbringenden Wesen: dem Qilin, dem Phönix, der Schildkröte und eben dem Drachen. Einen Drachen zu sehen bringt Glück, auch wenn sie eigentlich weder ausnehmend "gut" noch abgrundtief "böse" sind. Sie sind einfach und leben ihre Natur (die sehr gewalttätig sein kann) und werden so respektiert, wie eben auch Naturgewalten als solches respektiert werden - mit Gewittern diskutiert man kaum darüber, ob es eine moralisch verwerfliche Tat sei, ein Unwetter zu sein, zu hageln und möglicherweise Menschenleben zu kosten. Sie stehen für das männliche, dynamische und aktive (Yang) Prinzip, obwohl es weibliche Drachen gibt - wie ich selber erst kürzlich erkennen durfte (allerdings scheinen explizit weibliche Drachendarstellungen sehr selten zu sein) – und sind Bringer des himmlischen Odems (ShenChi).

Zusammen mit dem Phönix symbolisiert der Drache Langlebigkeit und Wohlstand. Wird er in Kombination mit einem Tiger gebracht, symbolisieren diese beiden Wesen Himmel und Erde. Oft sieht man zwei Drachen, die voneinander abgewandt sind. Sie stehen dann sinnbildlich für die Ewigkeit. Die ältesten künstlerischen Darstellungen des chinesischen Drachens sind seit dem Neolithikum überliefert.

Die Drachen wurden schon sehr lange mit Wind und Wetter in Verbindung gebracht. Rituale, die Wetterbeeinflussung und Drachen als Kern haben, sind seit 600 v.Chr. überliefert und gehen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ältere Quellen zurück. Viele chinesische Kaiser wurden für Nachkommen oder für Söhne der Drachen gehalten (Lung Tik Chuan Ren - eine Bezeichnung, die übrigens viele  Chinesen  für sich selbst in  Anspruch nehmen). Seit der Manchu-Periode werden viele Dinge mit Drachen assoziiert, die vom Kaiser benutzt wurden: der Drachenthron, die Drachenrobe, Drachenboote etc. - es gab zeitweise den Glauben, das der Kaiser die Gestalt eines Drachens annehmen konnte. Es gab sogar Zeiten, in denen der Kaiser über die Drachen bestimmen konnte, er war zeitweilig oberster "Chef" der Drachen. Drachen werden in vielen Tempeln und Pagoden verehrt.

 Alle Seen und Flüsse haben einen Wächterdrachen.

Um Regen herbeizurufen gibt es ein erstaunliches Patentrezept: es ist sehr erfolgversprechend, den jeweiligen Drachen zu verärgern. Das wurde mit verschiedenen Methoden erreicht - es wurden Gegenstände ins Wasser geworfen, die Figur des Drachenkönigs in die Sonne gestellt damit dieser, um Kühlung zu erhalten, Regen herbeiholte. Ein gelegentlich beschrittener Weg war auch die Opferung von Mädchen. Eine etwas abgeschwächtere Opfervariante ist, ein hübsches Mädchen nackt auf einen Berg zu stellen und den gelegentlich vorbefliegenden Drachen (die keine Kostverächter sind!) den Weg zu diesem Mädchen magisch zu versperren. Daraufhin stinksauer gab es ordentliches Regenwetter. Das funktionierte logischerweise nur, wenn der Drache männlich war. Ein Problem des heutigen China ist, dass die Chinesen es zwar mittlerweile blendend verstehen, die Drachen so richtig sauer zu machen (Staudämme, Umweltverschmutzung), aber mit der Besänftigung hinterher ist es nicht mehr allzu weit her. Ein Zustand, der in unseren Zeiten leider normal geworden ist.


Chinesische Drachen erscheinen uns in vielen verschiedenen Formen. Und diese unter einen Hut zu bringen, kann etwas verwirrend sein:

Es gibt männliche und weibliche Drachen. Die einzelnen Körperteile des Drachen besitzen eine gewisse Ähnlichkeit mit denen in unserer Wirklichkeit lebender Tiere. Die Augen gleichen denen eines Dämonen. Die Hörner gleichen den Hörnern des Hirsches, der Nacken gleicht dem einer Schlange, Die Füße gleichen dem Tiger, die Klauen dem Adler. Sie besitzen 117 Schuppen (manchmal wird auch von 81 ausgegangen), die dem Karpfen ähnlich sind. Von den 117 Schuppen sind 81 Yin und 36 Yang (am Hals sind sie entgegengesetzt und können aufgestellt werden). Sie besitzen lange und scharfe Zähne, die denen des Wolfs gleichen. Die zwei langen Barthaare, die bei manchen Drachen zu sehen sind, dienen als Sinnesorgane. In der Sung-Dynastie (10. Jahrhundert n.Chr.) wurden die Drachen mit drei Klauen dargestellt, in der Ming-Dynastie mit vier und manchmal mit fünf Klauen. Wobei die Drachen mit fünf Klauen der kaiserlichen Familie vorbehalten waren. Der Schwanz des Drachens endet meistens in einer Quaste. Drachen können ihre Form und ihre Größe verändern. Chinesische Drachen nehmen gelegentlich menschliche oder tierische Gestalt an, um die Erfahrung des jeweiligen Seins besser zu verstehen, oder einfach nur aus Spaß. Sie sind dann nicht zu unterscheiden von normalen Menschen, solange sie es nicht wünschen, entdeckt zu werden.

Es ist auch von Bedeutung, welche Farbe der jeweilige Drachen besitzt. Ein gelber oder goldener Drache mit 5 Klauen zählt als der Erhabenste und dem Kaiser alleine war es erlaubt, Darstellungen von ihm zu besitzen. Gelbe Drachen allgemein sind dem letzten Sommermonat, der Milz und dem Magen zugeordnet und am häufigsten. Blaue und Grüne Drachen symbolisieren und verkörpern den Frühling und den Osten. Sie sind der Leber und der Gallenblase zugeordnet. Rote Drachen stehen für die meisten Sommermonate, Stürme und dem Süden. Das Herz und die Eingeweide werden ihnen zugeordnet. Schwarze Drachen der Dürrezeit, Stürmen und dem Norden. Sie werden den Nieren und der Harnblase zugeordnet. Als letztes ist da noch der weiße Drache, der den Westen und den Herbst symbolisiert und verkörpert.

Etwas, das eigentlich völlig ungeklärt ist und jeder eindeutigen Erklärung tapfer widersteht, ist die Kugel oder die Perle, die bei den Drachen immer wieder mit abgebildet ist. Sie spielen damit, schlucken sie herunter oder spucken sie aus, sie ist manchmal von Flammen umkränzt und ein anderes mal völlig schlicht. Um der Angelegenheit wenigstens eine gewisse Richtung zu geben, wird in diesem Artikel die Kugel als Drachenperle bezeichnet. Sie wird bei den Taoisten auch Perle der Unsterblichkeit genannt, andere betrachten die Kugel als himmlisches Q i(dynamische Energie) Der männliche Drache besitzt innerhalb des oberen Halsbereich seine Drachenperle, die von innen leuchtet und die alles was mit ihr in Berührung kommt, vervielfacht. Wird diese Perle von einem Menschen verschluckt, so wird dieser zu einem Drachen behauptet eine Version der Legende von Xiao Sheng. Er fand eine Drachenperle und um sie nicht seinem Herrn aushändigen zu müssen, verschluckte er sie und wurde selbst zu einem Drachen. Die Wirkung der Drachenperle bleibt nur dann erhalten, wenn es gelingt, die Perle dem Drachen zu entwenden, solange er lebt. Stirbt der Drache vorher, ist die Perle wirkungslos. Wie man DAS aber bewerkstelligen soll, ohne den Drachen zu töten, steht auf einem ganz anderem Blatt.


China ist groß und hat viele Drachen. Es ist klar, daß die bisherigen Merkmale noch lange nicht ausreichen. Unter den folgenden Drachenarten sind die neun klassischen Drachen zusätzlich durch die chinesische Umschrift hervorgehoben. So gibt es die kaiserlichen Drachen mit fünf Klauen und überwiegend in gelb oder gold dargestellt. Der gelbe Drachen wird auch der "erste Drache" genannt. Dieser besagte gelbe Drache brachte auf seinem Rücken die acht Trigramme des I-Jing und lehrte die Schrift - er wird Huang Lung genannt (黃龍). Die Himmelsdrachen (Tian Lung - 天龍), stützen und bewachen den Himmel und sollen taub sein (das kommt daher, das "lung" auch "der Taube" heißt - "Tian Lung" ist dann der "himmlische Taube", bei der derzeitigen Medienwelt ein wahrer Segen), die Geisterdrachen (Shen Lung - 神龍), welche die Regenfälle steuern, Wind und Fluten kontrollieren und als stinkfaul gelten: Um sich vor der Arbeit zu drücken, verwandelt sich Shen-Lung gerne in eine Maus und versteckt sich. Shen-Lung ist auch der offizielle Neujahrsdrache, der bei den Umzügen auftaucht. Er besitzt fünf Klauen und ist knallbunt. Dann ist da noch der Erddrachen (Ti-Lung - 地龍), der im Frühjahr und Herbst auf dem Meeresgrund in einem reichen Palast lebt, und neben der Kontrolle der Flußläufe auch noch die Meere "ausbaggert" und die Tiefe derselben überwacht. Die unterirdischen Drachen (Fucan Lung - 伏藏龍 - oder Chen Lung) bewachen versteckte Schätze und Bodenschätze. Die Geister- und die Erddrachen werden auch als Wang-Lung, Wasserdrachen, verehrt. Der gewundene Drache - Pan Lung (蟠龍) lebt ebenso im Wasser. Richtig bösartige Drachen sind in China selten, sie werden Nie-Lung genannt.


Um der Sache richtige Würze zu geben, altern chinesische Drachen und verändern je nach Alter auch ihr Aussehen. Drachen legen Eier. Ein Drachenei unterscheidet sich kaum von einem Flußkiesel, außer das es eben einem Ei gleicht und etwas größer geraten ist als die Eier von einem Huhn, beispielsweise. Es dauert tausend Jahre bis aus dem Ei ein kleiner Drache schlüpft. Das Schlüpfen wird von Meteoritenschauern oder heftigen Gewittern begleitet. Die nächsten fünfhundert Jahre wächst der Jungdrache zu seiner richtigen Größe heran. Manche sagen, er habe einen Karpfenkopf und einen Schlangenkörper. Er wird dann Kiao genannt. In den nächsten tausend Jahren wachsen dem Drachen dann die Gliedmaßen, er bekommt seine standesgemäßen Schuppen und den Bart. In den folgenden fünfhundert Jahren wachsen dann die Hörner und der Drache erlangt sein Gehör - ein Qiu Lung (虯龍) oder gehörnter Drache. Im letzten Jahrtausend seines Wachstums wachsen ihm dann Flügel und er wird erwachsen - er wird dann Ying Lung (應龍) genannt

Drachenkunde, Teil für Fortgeschrittene

Die Drachen passten sich im Laufe der Jahrhunderte an die menschliche Organisationsform an, so dass es eine ganze himmlische Bürokratie und Hierarchie gibt, mit allem, was das alte China so an Ämtern und Eigenheiten zu bieten hatte. Glücklicherweise ist die chinesische Regierung hinreichend materialistisch orientiert. Sonst wäre dieser Umstand wohl ein Dorn im Auge, aber von einer Kulturrevolution bei den Drachen ist nichts bekannt. So gibt es neben den Drachenkönigen auch Hofbeamte, Verwaltungsangestellte, Garnelensoldaten und Generäle (Hummer). Der Aufseher der neun Drachen (NICHT die weiter unten aufgezählten neun Drachensöhne) vergibt am 23. Tag des fünften Mondmonats an die Drachen ihr jeweiliges Quantum an Regen, mit dem sie über das Jahr wirtschaften müssen. Drachen besitzen einen sehr feinen Musik- und Literaturgeschmack, ganz zu schweigen von einem sehr teurem Gaumen. Sie leben in großen Unterwasserpalästen, sind Hüter der Edelsteine und haben auch sonst recht menschliche Anwandlungen. So gab es auch "kleinere" Familienfehden untereinander. Li Zhaowei überliefert uns folgende Passage: "Wie viele hast du getötet?", fragte der Drachenkönig seinen jüngeren Bruder. " Sechshunderttausend." "Hast du Felder zerstört?" "Im Umkreis von dreihundert Meilen." "Was geschah mit meinem unwürdigen Schwiegersohn?" "Den habe ich aufgefressen."

Die neun Drachen als Gesamtdarstellung begegnen uns in der Ornamentik und der Kunst des alten Chinas immer im kaiserlichen Zusammenhang, da die Neun einerseits glücksbringend ist und andererseits die höchste Zahl zwischen der Eins und der Zehn darstellt. Sie war dem Kaiser und der Symbolik um den Kaiser vorbehalten - und natürlich durften Neun Drachen nur auf kaiserlichen Darstellungen gezeigt werden - nirgendwo sonst. Es gibt in Beijing zum Beispiel die Neun Drachen Mauer, auf der Neun Drachen abgebildet sind (eigentlich sind es insgesamt 635, weil hunderte kleiner Drachen als Ornamentik auch auf dieser Mauer zu sehen sind). Es gibt dann auch einen Neun Drachen See in China. Bei der neun Drachen Mauer könnte es sich um die oben erwähnten neun Drachen handeln und nicht um die im Folgenden beschriebenen neun Drachen. Die begegnen uns eigentlich überall - und vor allem meistens einzeln. Ihre Namen und ihre Eigenheiten werden allerdings von den Quellen jedoch unterschiedlich aufgelistet.

 

 

1.      Der erste Drache, Qiu Niu liebt Musik, er wird gerne als Verzierung auf Saiteninstrumenten verwendet.

2.      Der zweite Drache Ya Zi ist eher wankelmütig und aggressiv, er liebt Kampf und Waffen. Logischerweise findet man Ya Zi daher auf vielen alten Schwertern.

3.      Nummer drei, Chao Feng mag hohe Plätze, liebt das Risiko und besitzt keinerlei Furcht. Daher wird er auf den alten Palastdächern an den Ecken gerne als Wächter und Blitzableiter (ja! wirklich!) dargestellt.

4.      Der vierte ist Pu Lao. Der mag es, laut zu brüllen. Sein bevorzugter Lebensmittelpunkt ist in der Nähe des Meeres und er wird wegen seines Organs als Henkel für Glocken und in Gongs gezeigt. Allerdings ist er gegenüber dem großen Wal etwas kleinlauter.

5.      Als fünfter Drache sieht San Mi aus wie ein Löwe, er bewacht meistens den Haupteingang (und steht daneben) oder er wird, wegen seiner Vorliebe für Feuer und Rauch, als Dekoration für Räucherschalen oder -Gefäße benutzt.

6.      Der sechste Drache Ba Xia sieht aus wie eine Schildkröte. Er liebt Worte, ist sehr stark und er liebt es Schweres herumzutragen (wie praktisch ...). Daher findet man ihn auch als Träger von Steintafeln oder Stelen mit Gedichten.

7.      Bi An sieht aus wie ein Tiger und ist der siebte Drache. Durch seine Weisheit kann er zwischen gut und böse unterscheiden. Im Gefängnis oder beim Gericht taucht er als Dekoration auf.

8.      Der achte Drache Fu Xi liebt auch die Literatur. Seitlich schmückt er die besagten Steintafeln, die Ba Xia herumträgt.

9.      Der neunte und letzte Drache ist Chi Wen. Er verschlingt alles, was ihm in den Weg kommt. Er ist für den Regenfall verantwortlich und wird gerne als Brandschutzversicherung in Palästen dargestellt. Er ist auch an Brücken zu finden.

 

Das Sternzeichen des Drachen kennen wir in Europa genauso. Das europäische Drachen-Sternzeichen wurde erst später zum kleinen Wagen umgedeutet (das besorgte ein griechischer Gelehrter). Der Sternhimmel über Beijing zeigt im Frühjahr den aufsteigenden Drachen und im Herbst den absteigenden Drachen. Im Winter "schläft" der Drache in seinem See, denn sein Kopf ist unterhalb des Horizontes

 

Der chinesische Drache taucht auch in der chinesischen Astrologie und im Feng Shui auf. Wie schon im ersten Teil der kleinen Drachenkunde erwähnt, geht das I-Jing ebenso auf einen Drachen zurück - genauer: auf dessen Rücken. In der chinesischen Astrologie gibt es (wie auch bei unserer) zwölf Tierkreiszeichen. Eines davon ist dort der Drache. Jedes Jahr wird einem der fünf Elemente und einem der zwölf Tierkreiszeichen zugeordnet. Da der chinesische Kalender am zweiten Vollmond nach der Wintersonnenwende beginnt, sind die Jahresanfänge jedesmal verschieden. So gab es im 20. Jahrhundert folgende Drachenjahre:

 

16. Februar 1904  è

Holz-Drache

  3. Februar 1916  è

Feuer-Drache

  23. Januar 1928  è

Erde-Drache

  8. Februar 1940  è

Metall-Drache

  27. Januar 1952  è

Wasser-Drache

13. Februar 1964  è

Holz-Drache

  31. Januar 1976  è

Feuer-Drache

17. Februar 1988  è

Erde-Drache

  5. Februar 2000  è

Metall-Drache

Durch das bereits Geschriebene kann gefolgert werden, dass es immer ein ganz besonderes, von den Göttern und Drachen gesegnetes Jahr ist. Allgemein gesehen sind Menschen, die in einem Drachenjahr geboren werden Autoritätspersonen, die eigenen Gesetzen folgen und Grenzen unerträglich finden. Diese Menschen können begeistern und motivieren, sind immer hilfsbereit aber selbst können sie kaum Hilfe annehmen - einem Drachen helfen? Dazu sind diese Menschen viel zu stolz. Sie stehen immer irgendwie im Mittelpunkt des Geschehens, sind aber Einzelgänger. Sie gelten als vertrauenswürdig und großzügig und lieben alles, was neu und interessant ist. Ärgern sollte man diese Menschen besser nicht ... - obwohl sie schon nach kurzer Zeit alles wieder vergessen und man wieder prächtig mit ihnen auskommt.

Die 5 Elemente wirken sich natürlich ebenso auf den Charakter des im Drachenjahr geborenen Menschen aus.

Im Holzdrachen Jahr Geborene sind kreative, einfallsreiche und recht neugierige Menschen. Sie sind fähig, brillante und neue Konzepte zu entwickeln und umzusetzen - Logik ist das oberste Prinzip bei diesen Menschen, sie besitzen einen starken Antrieb ihre Ideen auch durchzusetzen und verstehen es, ihren Stolz und ihre Dominanz unter Kontrolle zu halten. Sie sind sogar zu Kompromissen bereit - wenn es Vorteile bringt. Diese Menschen sind weitaus weniger egozentrisch als der Rest.

Die im Feuerdrachen Jahr geborenen Menschen sind die extrovertiertesten und fordernsten der Drachengeborenen. Sie überfordern ihre Umwelt und üben oft zuviel Druck aus. Sie können große Massen begeistern und sind sehr objektiv in ihrer Kritik. Sie besitzen recht wenig Geduld und sind intolerant. Diese Menschen können Imperien aufbauen wenn sie es lernen mit ihren weniger guten Seiten besser umzugehen.

Im Erddrachen Jahr geborene Menschen sind viel ruhiger und reflektierender als der Rest. Sie können mit anderen Meinungen leben, auch wenn sie der eigenen entgegenstehen. Sie sind weniger diktatorisch und Probleme werden sehr gut durchdacht um sie zur Lösung zu führen. Emotionale Ausbrüche sind bei diesen Menschen selten, obwohl sie sehr wohl Respekt einfordern. Sie sind am diplomatischsten und kooperationsbereitesten der unter dem Drachenzeichen Geborenen.

Unter dem Metalldrachen Geborene sind am stursten und eigenwilligsten von allen Drachenjahrgängen. Unflexibel und starrköpfig nehmen sie kaum Rücksicht auf die Gefühlswelt ihrer Mitmenschen. Diese Menschen steigen sehr schnell in Hierarchien auf - allerdings auf Kosten vieler Beziehungen. Sie können ein Versagen nicht akzeptieren, es ist jedoch möglich sie davon zu überzeugen, das es eben auch nicht machbare Dinge gibt. Bekommen sie keine Unterstützung, ziehen sie ihr Ding auch alleine durch.

Im Wasserdrachen Jahr Geborene sind sehr viel weniger egoistisch und machthungrig als die anderen. Sie sind eher zurückgezogen und können auch mit eigenem Versagen gut leben. Die Verhandlungskunst ist diesen Menschen in die Wiege gelegt, sie wissen genau, wann welcher Druck an welcher Stelle auf welche Weise angewendet werden muss, um eine befriedigende Entwicklung zu erreichen. Sie sind allerdings ein bisschen arg optimistisch und sie müssen lernen, Illusorisches loszulassen um ihre Energien am vielversprechendsten einzusetzen.

 

Wenn Sie einen Drachen besitzen - also eine Figur oder ein Bild eines solchen - dann ist das bereits günstig für die gesamte Familie und allen ihren Vorhaben, egal wo der Drache nun steht oder sich befindet. Idealerweise sollte sich der Drachen im östlichen Sektor der Wohnung befinden. Wenn Sie in Ihrem Firmenlogo einen schwangeren Drachen haben - etwas, das ich mir in unseren Breiten eher schlecht vorstellen kann - wird sich das Geschäft sehr positiv entwickeln. Es genügt aber auch, einen Drachen im Büro zu haben oder an dem wichtigsten Ort in der Firma. In der Nähe von Aquarien oder Quellen bringt der Drache sehr schnell Wissen, Autorität, Entwicklung und einflussreiche Positionen. Im östlichen oder im zentralen Sektor der Wohnung bringt ein Drache Gesundheit und Wohlbefinden, wenn man generell schlechte Abwehrkräfte besitzt.

Zum chinesischen Neujahr werden in China Drachenfeste ausgerichtet, auch Drachentänze sind immer gern gesehen und sehr beliebt. Diese Feste dienen dazu, das Böse für das kommende Jahr auszutreiben (wie auch unsere Fasnet und Bräuche ähnliches im Schilde führen), oder auch um Unglück abzuwenden, wenn der Tanz nicht zu Neujahr durchgeführt wird. Die Drachentänze werden in eine nördliche und eine südliche Strömung unterschieden. Die nördlichen Drachen sind schneller und kleiner als die südlichen, die langsam und größer sind und daher auch mehr Akteure benötigen, als der nördliche Drachentanz. Neben dem Drachen ist da auch die bereits erwähnte Drachenkugel mit dabei. Der Drache folgt der Drachenkugel während dem Tanz. In China werden seit fast zwei Jahrtausenden auch Drachenbootrennen veranstaltet. Am fünften Tag des fünften Monats werden diese Rennen traditionell durchgeführt. Die Rennen haben gleich vier verschiedene Anläße: es wird dem großen Nationaldichter Qu Yuan gedacht, eine andere Variante sagt, das Drachenbootfest wurde zum Gedenken an den Todestag von Wu Zixu eingerichtet, einem Helden aus der Chu Zeit. Eine dritte Variante richtet das Fest zum Gedenken der Cao Eh aus, die sich in einem Fluß ertränkte um ihren Vater zu retten. Die modernste Variante ist der Todestag der revolutionären Dichterin Qiu Jin, die am fünften Juni 1910 hingerichtet wurde. Mit Drachen selbst hat das Fest also nur die Drachenboote gemeinsam und die Tatsache, dass vor dem Rennen dem Drachenkönig Verehrung entgegen gebracht wird.

 

Als Literatur sei empfohlen:

 

Dr. Ernest Drake: „Handbuch der Drachenkunde, eine Anleitung für den Umgang mit Drachen“

ISBN: 978-3-7607-4844-3

 

Dr. Ernest Drake: „Expeditionen in die geheime Welt der Drachen“

ISBN: 978-3-7607-4814-4

 

Dr. Ernest Drake:“Frostdrachen, ein Kurs für Drachenforscher“

ISBN: 978-3-7607-2691-5

 

Als Video sei empfohlen:

 

DreamWorks: „Drachenzähmen leicht gemacht“